Theater

 

05.03.16

Ein Volkshochschulkurs: Hier können sich unter fachmännischer Anleitung die Teilnehmer ihre Familienkonflikte von der Seele schreiben! Mit kreativen Schreibübungen sollen dabei zweifelhafte/umstrittene Rollenbilder und familiäre Machtstrukturen geklärt werden. Alle Teilnehmer sind unterschiedlich, alle Teilnehmer haben etwas gemeinsam. Heute werden sie ihre selbst verfassten Texte vortragen, worauf die Gruppenleiterin den Teilnehmern erläutert, welche ungeahnten Konflikte noch nicht verarbeitet wurden. Denn schließlich ist es doch gar nicht so schwer, die familiären Konflikte zu klären, wenn man nur daran arbeitet. Ist doch klar, oder?

Mit einer Collage aus Kafka-Erzählungen und Auszügen aus literaturwissenschaftlichen Interpretationsansätzen geht es hier nicht nur um die in Kafkas Werken immanente Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn, sondern auch um die Verweigerung des vielseitigen Künstlers, seine Texte eindeutig deuten zu können -  dabei stößt hier auch die Kursleiterin an ihre Grenzen.

Folgende Texte von Franz Kafka waren Grundlage für diese Inszenierung: Das Urteil (Not eines jungen Mannes gegenüber einem übermächtigen Vater), Brief an den Vater (Anlass: Kafkas geplante Heirat mit einer Sekretärin, die der Vater verhindern möchte, weil sie ihm zu beliebig erscheint) und Die Verwandlung (Verwandlung Gregor Samsas in ein Insekt, um dem Alltag zu entfliehen).